• Dr.Jeevan.E.P

Morbus Parkinson (Kampavata) aus ayurvedischer Sicht

Einleitung

Morbus Parkinson, im Ayurveda bekannt als “Kampavata”, ist eine neurologischeErkrankung, die etwa 1% der über 65-Jährigen in der Bevölkerung befällt. Morbus Parkinson ist die viert-häufigste degenerative neurologische Erkrankung unter älteren Menschen. Im Ayurveda gilt es als eine Erkrankung, bei der Vata vorherrschend ist.

In der westlichen medizinischen Literatur stammt eine der ersten Beschreibungen dieser Erkrankung als „Schüttellähmung“ von dem berühmten Arzt Galen (im Jahr 175). Eine sehr detaillierte Beschreibung dieser Erkrankung veröffentlichte der Arzt James Parkinson im Jahr 1817 und – wie im Westen üblich – wurde diese Erkrankung nach ihm benannt.

Referenzen im Ayurveda

In den alten ayurvedischen Texten finden sich nur sehr wenig direkte Hinweise auf die Parkinson`sche Erkrankung und beziehen sich lediglich auf die Symptome, die in Zusammenhang mit dem Tremor (Zittern) stehen. In der modernen ayurvedischen Literatur bezieht man sich daher unter verschiedenen Bezeichnungen für Tremor auf diese Erkrankung; das sind z.B. Kampavata (Zittern verursacht durch Vata) Vepathu (Zittern, wie aus der Spur geraten, nicht in gerader Linie sein) Prevepana (starkes Schütteln) Sirakampa (Schütteln des Kopfes) und Kampana (Zittern). Die parkinson`sche Erkrankung wird meist mit„Kampavata“ bezeichnet.

Ätiologie und Pathologie im Ayurveda (Nidana und Samprapti)

Wenn wir älter werden, besonders im höheren Alter, nimmt Vata immer mehr zu. Apana vayu sammelt sich an (sanchaya) und kann “gereizt” werden (prakopa) . Das führt zu Problemen mit dem Stuhlgang (Obstipation), was bei älteren Menschen häufig ist. Ist dies kombiniert mit einer Lebensführung, die Vata weiter erhöht und ist Vata auch in der Konstitution des Betreffenden zu finden, dann istder Grund gelegt für ein „Überfliessen“ von Vata (prasara) in dieKörperzirkulation.

Dieses Überfliessen führt zu einer Störung von Vyana vayu innerhalb des Rasa Dhatu`s. Nun treten systemische Zeichen einer Vatastörung auf, wie Trockenheit

der Haut und Körpermembranen. Vata kann sich nun in jedem Dhatu, das geschwächt ist, niederlassen (sthana samsraya). Ist das Hirngewebe bereits geschwächt, dann wird dies der Ort, an dem sich Vata niederläßt, dann kommt es zu einem Zustand von Vata (prana, samana und vyana) im Majja Dhatu, der zur Zerstörung von Teilen des Hirnstammes führt und damit zu einer veränderten Koordinaton und zu Zittern. Weitere pathologische Zeichen, die sich häufig präsentieren sind Vata (vyana) das in Mamsa Dhatu eindringt und Muskelsteifheit verursacht und vermindertes Prana (Prana kshaya) im Manovaha srota (mentale Kanäle), was zu Depressionen führt.

Der Parkinson`schen Erkrankung liegt in erster Linie eine Störung von Vata zugrunde, aber auch Pitta kann eine wichtige Rolle in der Pathologie (samprapati) spielen, da die Hitze von Pitta die zellulären Strukturen verbrennen kann, was eine Verringerung des Kapha`s (Kapha kshaya) im Majja Dhatu zur Folge hat und zu der zugrunde liegenden Schwächung des Hirnstamms führt. Folglich haben gerade sehr ängstliche Persönlichkeiten (Vata) und sehr„intensive“ Persönlichkeiten (Pitta) häufig eine Veranlagung für diese Erkrankung, Kapha-Naturen sind natürlicher Weise am meisten davor geschützt.

Zeichen und Symptome (Rupa und Laksana)

Das häufigste erkennbare Symptom der Parkinson ́schen Erkrankung ist das“Pillen-Drehen-Zittern”. Dabei kommt es zu einer unkontrollierbaren Bewegung von Daumen und Fingern, was aussieht wie das Rollen einer Pille. Das Zittern tritt am häufigsten in den Händen, Armen und Beinen auf, obwohl auch andere Bereiche betroffen sein können. Kleine Bewegungen der Hände und Finger können mit der Zeit schwierig sein. Dieser Zustand, der Mikrographia genannt wird, kann zu Schreibstörungen führen und gewöhnliche tägliche Aktivitäten wie das Zuknöpfen eines Hemdes sehr erschweren.

Ein anderes Symptom ist Stambha (Muskelsteifigkeit), dabei werden die Bewegungen langsam und es ist schwierig diese zu initiieren. Die Patienten müssen meist auf ihre Füsse schauen, um das Gehen zu beginnen und schlurfen vorwärts, gelegentlich kommen sie ins Trippeln oder einen Trot und haben auch Schwierigkeiten die Bewegung zu stoppen. Ihre Arme schwingen beim Gehen nicht wie üblich koordiniert mit. Das Gesicht kann ausdruckslos wie eine Maske erscheinen, stumpf oder depressiv, obwohl keine Depression vorliegen muss. Die Stimme wird monoton und ausdruckslos, was häufig fälschlich eine vorliegende Depression vermuten lässt.

Bei 50% der Patienten kann sich eine Demenz entwickeln, auch eine Depression (Vishada) kann die Erkrankung begleiten, doch die Symptome eines maskenhaften Gesichtsausdruckes und einer monotonen Stimme treten als Teil der Parkinson`schen Erkrankung auf und sollten nicht mit einer Depression verwechselt werden.

Diagnose (Nidanam)

Die Diagnose gründet sich primär auf Zeichen und Symptome von Vata, Pitta und Kapha. Die Mehrzahl der Symptome entsprechen denen einer Vata-Erkrankung.


Ayurvedische Behandlung (Chikitsa)

Eine ayurvedische Behandlung dieser Erkrankung konzentriert sich auf die Behandlung der Vata-Störung. Öl- und Schwitzbehandlungen formen die Basis der Konstitutionsbehandlung. Ölung mittels Massage (Abhyana) und Öl-Einläufe (Vasti) sind ebenso wie die innere Einnahme von Öl angezeigt. Weist der Patient Zeichen beträchtlicher Ama-Ansammlung auf, müssen ama-reduzierende (amahara) Dekokte gegeben werden.

Medizinierte Öle mit Ashwagandha (Withania somnifera) und Bala (Sida cordifolia) werden üblicherweise eingesetzt, um Vata zu beruhigen und Ojas aufzubauen. Sie gelten als verjüngend, mit einer stark nährenden Wirkung auf

das Nervensystem.

Mucuna pruriens (Atmagupta) auch bekannt als Kappikacchu hat in der Vergangenheit wie in jüngerer Zeit viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In einer Studie aus dem Jahr 1978, veröffentlich im Journal „Neurology“ (Indien), konnte seine Wirksamkeit bei 23 Patienten mit Morbus Parkinson gezeigt werden. In der Studie wurde nur das gemahlene Pulver des Samens der Pflanze eingesetzt. Die Ergebnisse dieser Studie wurden an der Southern Illinois University, School of Medicine, bestätigt, weitere veröffentlichte Daten stammen aus einer Forschungsarbeit, die an der Abteilung für Biologie an der Universität Groningen, Niederlande 1 durchgeführt wurde.

Ayurveda lehrt, dass ein ganzheitliches Behandlungsregime die grössten Erfolgschancen bei Parkinson-Patienten bietet. Zusätzlich zur Anwendung von Mucuna pruriens (V-, PK++, Rasa: süss/bitter, Vipaka Süss, Virya kühl) muss Vata an seinem eigentlichen Sitz im Dickdarm beruhigt werden sowie am Ort der pathologischen Ablagerung (des Überfliessens) im Rasa Dhatu und Majja Dhatu. Störungen von Apana vata können mit feuchten Abführmitteln wie Rhizinusöl behandelt werden. Weitere Beispiele für Kräuter zur Stärkung des Majja Dhatu, die Formulierungen zugefügt oder separat angewandt werden können sind:Yashti madhu (Glycyrrhiza Glabra), Ashwagandha (Withania Somnifera). Jatamansi (Nardostachys Jatamansi), Brahmi (Centella Asiatica)) und Shank Pushpi (Canscora Dicussata.

Korrekte Ernährungsgewohnheiten und eine Vata-beruhigende Ernährung sind von wesentlicher Bedeutung für einen lang anhaltenden Erfolg. Weitere Vata- beruhigende Behandlungsmethoden und tägliche Ölmassage (entweder durch einen Therapeuten oder Selbsteinreibung des Patienten) vervollständigen das Behandlungsregime. Schließlich sollte ein unterstützendes Umfeld, das allerdings

nicht zu stark stimuliert, geschaffen werden. Meditation und Yogapraktiken sind





1: IMPROVEMENT OF THE BIOTECHNOLOGICAL PRODUCTION OF ANTI-PARKINSON DRUGMUCUNA PRURIENS

L-DOPA BY PLANT, CELL SELECTION. PRAS,N: W OERDENBAG,HJ: BATTERMAN,S: VISSER,JF: VAN UDEN,W: PHARM W ORLD SCI 15 6: 263-268 (1993) ( LAB PHARMACOG & GALENIC PHARM UNIV GRONINGEN GRONIGEN NETHERLANDS) Niesko Pras1 , Herman J. Woerdenbag1, Sieb Batterman1, Jan F. Visser1 and Wim Van Uden1 (1) Department of Pharmacognosy, University Centre for Pharmacy, Groningen University, A. Deusinglaan 2, 9713 AW Groningen, The Netherlands

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